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Schutzengel auf vier Rädern

BEZIRKSSTELLE WAIDHOFEN/YBBS

WAIDHOFEN/YBBS. 22.500 Einsätze und 750.000 zurückgelegte Kilometer - Im Jahr 1990 wurde ein innovatives Projekt in Waidhofen/Ybbs eingeführt. Zahlreiche Leben gerettet und vielfach bewehrt: das Notarztsystem Waidhofen/Ybbs feiert heuer sein 30- jähriges Jubiläum.

Bereits Ende der 1980er-Jahre wurde bekannt gegeben, dass vom Land Niederösterreich in Kooperation mit dem Roten Kreuz ab 1990 ein flächendeckendes Notarztwagensystem installiert werden soll. Auch Waidhofen/Ybbs wurde als einer von heute rund 32 Standort gewählt - am 22. April 1990 ist der erste Notarztwagen in Waidhofen/Ybbs, ein Volkswagen T3, am oberen Stadtplatz gesegnet worden. Am 1. Mai 1990 der Betrieb des „NAW-Waidhofen/Ybbs“ offiziell aufgenommen. Prim. Dr. Klaus Katzensteiner sowie der heutige Geschäftsführer des Roten Kreuz Waidhofen/Ybbs, Wolfgang Frühwirt, waren damals maßgeblich rund um die Installierung des Notarztwagensystems im Ybbstal beteiligt. Schon in den ersten Tagen hat sich gezeigt, dass diese neue Einrichtung eine enorme Verbesserung in die akut-medizinische Versorgung gebracht hat. Die Notarztteams, bestehend aus einen Notarzt sowie bis zu zwei Notfallsanitätern, bestreiten jährlich rund 750-800 Einsätze und legen dabei gut 25.000 Kilometer zurück.

1992 – Ein Meilenstein im Notarztdienst Waidhofen/Ybbs

Im Haushaltplan für das Jahr 1992 war ein neuer, und vor allem größerer Notarztwagen vorgesehen. Da auch die notarztpflichtigen Überstellungstransporte immer mehr geworden sind, und in dieser Zeit der „NAW“ im Einzugsgebiet für Notfälle zur Verfügung stand, sollte der „alte“ Notarztwagen als „Überstellungs-Notarztwagen“ eingesetzt werden. Das Fahrzeug alleine ist allerdings nicht ausreichend für ein gut funktionierendes System. So wurde 1991 der erste Notfallsanitäterkurs mit der Dauer von 120 Stunden Theorie als Vorbereitung auf den neuen „großen“ NAW begonnen. Die Notärzte vom Krankenhaus Waidhofen/Ybbs habe sich bereit erklärt, kostenlos die Ausbildung der Sanitäter zu übernehmen. Ein Betrieb „Rund um die Uhr“ konnte aufgrund zahlreicher Rückmeldungen sichergestellt werden. Am 6. Juni 1993 wurde schließlich der neue Notarztwagen im Rahmen einer Matinee im Stadtsaal in Waidhofen gesegnet und offiziell in den Dienst gestellt. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um einen Mercedes 410 mit Allradantrieb welches das erste seiner Art in Österreich war. Aufgebaut wurde der „NAW“ von der Firma Strobel aus Aalen in Deutschland. Die Kosten von rund 1,5 Millionen Schilling wurden zum Großteil aus Spenden finanziert.

Die Jahrtausendwende – Reform der Ausbildung

Über die Jahre hinweg etablierte sich die Notfallmedizin, die Geräte zur Diagnostik wurden besser und auch die Ausbildung der Notfallsanitäter wurde immer umfangreicher. Einen Meilenstein stellte das Sanitätergesetz im Jahr 2002 dar. Seit damals ist die Ausbildung der Rettungs- und Notfallsanitäter vom Umfang und vom Inhalt her genau geregelt. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter baut auf die Ausbildung zum Rettungssanitäter (100 Stunden Theorie und 160 Stunden Praxis) auf, vertieft die dort vermittelten Inhalte und darüber hinaus fließen zusätzliche Themen wie Arzneimittellehre in die Ausbildung ein. Neben der 280 stündigen Praxis am Fahrzeug steht auch ein Krankenhauspraktikum im Ausmaß von 40 Stunden auf dem Programm, wo die Auszubildenden Einblicke in die innerklinischen Abläufe bekommen. In zahlreichen Übungseinheiten werden die unterschiedlichsten Szenarien trainiert, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.

Alles Neu – Aus dem „NAW“ wird das „NEF“

Das Rettungswesen in Niederösterreich wurde in den Jahren 2015 und 2016 massiv Umstrukturiert. Das seit Beginn der 90iger Jahre in den Rettungsdienst implementierte Notarztsystem wurde vom klassischen und bisher bekannten Notarztwagen (NAW) auf ein Notarzteinsatzfahrzeug-System (NEF) umgestellt. Als Grundfahrzeug diente für die „NEFs“ der ersten Generation ein VW Passat Variant mit 240 PS, Automatik und Allradantrieb. In Niederösterreich gibt es 32 NEF-Standorte, die vom Arbeiter-Samariterbund und dem Rotem Kreuz im Auftrag des Landes Niederösterreich betrieben werden. Verantwortlich für den Notarztdienst ist das Land Niederösterreich. Seit vielen Jahren ist das Rote Kreuz der größte Kooperationspartner im Notarztwesen, der die Fahrzeuge und die Notfallsanitäter stellt. Die Umstellung auf ein NEF-System ist eine Vorgabe des Land NÖ, diese wurde bis Mitte 2017 flächendeckend in ganz Niederösterreich vollzogen. Für den Regel-Rettungdienst sind hingegen die Gemeinden zuständig, im Ybbstal wurde diese Aufgabe von allen Gemeinden an das Rote Kreuz übertragen. Diese Umstellung war für den Rettungsdienst eine grundlegende Veränderung. Ist bisher der Notarzt mit zwei Notfallsanitätern im Notarztwagen zum Notfallort gefahren, kommen heute der Notarzt und nur mehr ein Notfallsanitäter mit einem PKW samt medizinischer Ausrüstung zum Patienten. Den Transport des Patienten übernimmt ein ebenfalls alarmierter Rettungswagen. Der Notarzt trifft nach der Versorgung sowie je nach Zustandbild des Patienten die Entscheidung, ob er den Patienten im Rettungswagen ins Krankenhaus begleitet, oder ob er wieder einsatzbereit zum Stützpunkt zurückfährt. Durch diese einsatztaktische Veränderung ist die gesamte Mannschaft in die Notfallversorgung noch stärker eingebunden. Das NEF-System hat sich international (aber auch in Österreich) schon bestens bewährt, die Umstellung war ein Schritt in ein zeitgemäßes, modernes Notarzt-System. Dafür waren entsprechende Schulungsmaßnahmen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine technische Umrüstung aller Rettungsfahrzeuge erforderlich. Am Montag, den 4. April 2016 wurde das „NEF-Waidhofen/Ybbs“ offiziell in den Dienst gestellt. Wie schon im Jahr 1993 wurde der alte „NAW“ bis ins Frühjahr 2019 als „Sekundär-Notarztwagen“ eingesetzt. Der alte „Sekundäre-Notarztwagen“, ein 8 Jahre alter VW Crafter, wurde an den Verein „Griechenlandhilfe“ gespendet und von zwei ehramtlichen Mitarbeitern im August 2016 nach Patras in Griechenland überstellt.

Gegenwart – NEF 2.0

Im Dezember 2018 wurden vom Roten Kreuz Niederösterreich die zweite Generation der „Notarzteinsatzfahrzeuge“ in den Dienst gestellt. Nach einer Testphase wurde der Volkswagen Caravelle T6 mit 204 PS, Automatik und Allradantrieb als neues Fahrzeug ausgewählt. Damit wurde auch ein wesentlicher Schritt für zukünftige Entwicklungen in der Notfallrettung gesetzt, da das Fahrzeug ausreichend Platz und Möglichkeiten für weiteres Equipment bietet. Stationiert sind der Notfallsanitäter und das „NEF-Waidhofen“ beim Roten Kreuz in der Pestalozzistraße in Waidhofen - die Notärzte im Landesklinikum in Waidhofen/Ybbs welches sich in unmittelbarer Nähe des Roten Kreuzes befindet. Im Jahr 2019 wurde das aus 14 Notärzten, 9 hauptberuflichen sowie 16 ehrenamtlichen Notfallsanitätern bestehende Team zu rund 930 Einsätzen alarmiert. Die Bezirksstelle hat ihren Sitz in Waidhofen/Ybbs und betreibt im Ybbstal zusätzlich zwei Dienst- bzw. Ortsstellen an den Standorten Hollenstein/Ybbs und Kematen/Ybbs. Von diesen Dienststellen wird der Rettungs- und Krankentransport für die Gemeinden Allhartsberg, Kematen, Sonntagberg, Waidhofen/Ybbs, Ybbsitz, Opponitz, Hollenstein und St.Georgen/Reith durchgeführt, und insgesamt ca. 27.000 Einwohner betreut. Mit dem Notarzteinsatzfahrzeug, das in Waidhofen/Ybbs stationiert ist, werden zusätzlich ca. 25.000 Einwohner der benachbarten Bezirke Amstetten, Scheibbs, Steyr Land und des Ennstales (Bezirk Liezen) in der Obersteiermark versorgt.


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Sebastian Bohlheim
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